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Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen

Heute (25. November) wird der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen begangen. Die Geschichte dieses Tages könnt ihr u.a. hier nachlesen.

In Wien findet heute traditionell eine Demonstration statt, die um 18 Uhr am Viktor Adler Markt startet:
FrauenLesben Kundgebung: 16 Uhr Viktor Adler Markt, 10. Bezirk, (Musik + heiße Getränke)
ab ca. 18 Uhr Demo (ausschließlich für Frauen)

Einen Veranstaltungskalender für die „16 Tage gegen Gewalt“ in Österreich findet ihr hier. Im Kampagnenzeitraum zwischen dem Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen und dem Internationalen Tag für Menschenrechte finden auf der ganzen Welt Aktionen statt. Die Organisation „Terre des Femmes“ ruft wie jedes Jahr zur Fahnen-Aktion auf und bietet auf der Website ebenfalls einen Veranstaltungskalender für Deutschland und Österreich.

Auf diestandard.at wurde heute ein Interview mit Birgitt Haller zum Thema Verfolgung von sexualisierter Gewalt veröffentlicht. Ebenfalls auf diestandard.at findet ihr Videos der Aktion „Klappe Auf!„, das erste Video zeigt den Alltag im Frauenhaus.

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Slutwalk Wien

Samstag, 22. Oktober 2011, Beginn/Sammeln: 16.00 Uhr beim Museumsquartier


Aufruf:

Am Abend Party im Marea Alta (www.facebook.com/mareaaltawien)!
Helfer_innen gesucht (Flyer verteilen, Vorebreitung etc), bei Interesse bitte Mail an slutwalkvienna@riseup.net! Danke! All genders welcome. No dresscode – wear what ever you want to!

24. Jänner 2011, Toronto. Ein kanadischer Polizeibeamter rät Frauen, sich „nicht wie Schlampen anzuziehen um nicht Opfer“ sexueller Gewalt zu werden. Als Reaktion auf diese schockierende Aussage organisierte eine Gruppe von Aktivist_innen den ersten Slutwalk.

Opfer zu kriminalisieren ist ein Unterdrückungsmechanismus, der schlichtweg falsch und zu verurteilen ist. Das Opfer eines Sexualdeliktes trägt niemals Schuld an dem ihm_ihr zugefügten Verbrechen. Die negative Konnotation des Begriffes „Schlampe“ reicht lange in die Geschichte zurück. Fast ausschließlich Frauen müssen sich auf diese Art beschimpfen lassen, ohne dass je hinterfragt wird, warum es schlecht sein sollte, seine Sexualität selbstbestimmt auszuleben.

Wir haben es satt, in Schubladen gesteckt zu werden.

Wir haben es satt, wegen unserer Sexualität oder unseres Aussehens diskriminiert zu werden.

Wir haben es satt, von der Öffentlichkeit und dem Staat unterdrückt zu werden.

Wir werden nicht mehr länger schweigen!

Es ist egal, was wir tragen, es ist egal, was unsere sexuelle Identität ist, es ist egal, in welcher Beziehung wir zu dem_der Täter_in stehen – wer ein Nein nicht akzeptiert, ist ein Vergewaltiger*. Wir werden gemeinsam eine Welt erkämpfen, die uns nicht in Rollenbilder oder Geschlechter zwingt und gegen jegliche Art der Diskriminierung auftreten.

Für eine selbstbestimmte, feministische und anti-sexistische Gesellschaft nehmen wir uns den Platz, um das Wort „Schlampe“ zurückzuerobern.

Sei dabei!

http://www.facebook.com/SlutWalkVienna

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Theaterland in Männerhand

Wie die SP-Frauenvorsitzende in Oberösterreich, Sonja Ablinger, kürzlich vorrechnete, ist die Männerquote an österreichischen Theatern beschämend. Am Wiener Burgtheater findet sich etwa in der Saison 2010/2011 bei sieben Premieren keine einzige Regisseurin oder Autorin, auch in der darauffolgenden Saison schreiben und inszenieren ausschließlich Männer. Dass am Burgtheater, dem Aushängeschild der österreichischen Theaterszene, noch nie eine Direktorin waltete, erscheint da wenig verwunderlich. „Die Forderung nach einer Burgtheater-Direktorin klingt so exotisch wie die Forderung nach einer Päpstin“, meinte dazu Barbara Klein, Intendantin am KosmosTheater im Rahmen einer Pressekonferenz der 20000frauen.

Auch an anderen Theatern sieht es mit einigen wenigen Ausnahmen nicht viel besser aus, wie die Aufstellung von Sonja Ablinger zeigt. (Auffallend ist, dass an jenen Häusern, wo Frauen in Leitungsfunktionen arbeiten, vergleichsweise häufiger Autorinnen und Regisseurinnen zu finden sind.) Dieses Geschlechterverhältnis erscheint gerade deshalb unverständlich, da an künstlerischen Hochschulen und Ausbildungsstätten Frauen keineswegs unterrepräsentiert sind.


Das Burgtheater: Frauen bitte draußen bleiben (Foto)

Eine besonders absurde Note erhalten diese Strukturen durch den Umstand, dass an den meisten österreichischen Theatern mindestens 60 Prozent der Besucher_innen Frauen sind. Erst jüngst veröffentlichte die Fachhochschule Salzburg eine Studie, die Männer als „Kulturmuffel“ auswies. „Kultur sei aber auch eindeutig Frauensache. Frauen zeigen wesentlich stärkeres Interesse an Kino, Theater, Oper und an Klassikkonzerten als Männer“, ist auf orf.at zu lesen.

Die kulturinteressierten Österreicherinnen sehen dann im Theater nicht nur Stücke von Männern, die von Männern inszeniert wurden, sondern auch vielfach eine „männliche“ Geschichtsauffassung, in der Frauen häufig untergeordnete Rollen spielen. „Die Darstellung von Frauen als Opfer und Wahnsinnige – sprich: Gretchen und Ophelia – geht durch alle Bereiche. Da gibt’s sehr wenige heutige Vorbilder und zeitgenössische Kunst, die das aufbrechen könnte. Die werden viel zu wenig gefördert“, sagt Barbara Klein im Ö1-Interview. Ein Umstand, der vielen vermutlich gar nicht auffällt, schließlich sind wir es gewohnt, Geschichten von Männern erzählt zu bekommen, in denen Männer die Hauptrolle spielen (siehe auch: Frauen im Film).

Wie diese Situation zu ändern ist, sollte eigentlich auch die Politik beschäftigen, schließlich werden Theater massiv staatlich subventioniert. Auch das „Bundestheaterorgansiationsgesetz“ könnte spezifischer sein, was den kulturpolitischen Auftrag betrifft. „Gestaltung der Spielpläne in die Richtung, daß diese ein innovatives und pluralistisches Angebot in Form und Inhalt sowie auch künstlerisch risikoreiche Produktionen beinhalten und den Aspekt der Kunstvermittlung besonders bei Kindern und Jugendlichen berücksichtigen“, ist da zu lesen. Eines ist sicher: Pluralismus kommt ohne Frauen* nicht aus.

Wer in Wien Alternativen zu den männerdominierten Theatern sucht, ist hier gut aufgehoben:
KosmosTheater
Theater Drachengasse

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Eindrücke von der Demo – 20000frauen

Auch wenn es nicht 20.000 Frauen geworden sind, die Veranstalterinnen der Plattform 20000frauen zeigten sich am Samstag sehr zufrieden. Rund 10.000 Menschen marschierten für Frauenrechte über den Ring, die Demonstration wird somit als die größte österreichische Frauendemonstration seit vielen Jahrzehnten in die Geschichte eingehen. Und das trotz frostiger Temperaturen. „Wir sind keine Schönwetter-Feministinnen“, meinte Moderatorin Ulli Weish dazu am Schwarzenberplatz.

Die unterschiedlichsten Gruppierungen waren mit ihren Transparenten und Forderungen gekommen – Katholische Frauen, muslimische Frauen, ÖVP-Frauen, SPÖ-Frauen, Grüne, GewerkschafterInnen, MigrantInnen, KPÖ-Frauen, die Sozialistische Jugend, Hebammen, Mädchen, PensionistInnen, Journalistinnen – die Liste ließe sich noch lange fortführen. Diese Gemeinsamkeit trotz aller Unterschiede wollte mensch am Samstag auch in den Vordergrund stellen – über alle konfessionellen, kulturellen oder aber parteipolitischen Grenzen hinweg.

Nach diesem lautstarken Lebenszeichen der Frauenbewegung in Österreich möchten die Organisatorinnen jetzt zu inhaltlicher Arbeit übergehen. Neue Vernetzungsmöglichkeiten für Frauenorganisationen sollen geschaffen und Aktionen zu dringenden politischen Fragen gesetzt werden. In Kürze wird etwa der Entwurf von Justizministerin Bandion-Ortner zur gemeinsamen Obsorge verhandelt. Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek hat auf der Demonstration bereits ihren Widerstand angekündigt.


Frauenministerin Heinisch-Hosek – auch andere prominente Persönlichkeiten aus der Politik marschierten mit. So z.B. Doris Bures, Eva Glawischnig, Maria Rauch-Kallat und Heide Schmid.


Vor der Bühne am Schwarzenbergplatz


Ein Kunstwerk der „Strickistinnen“


Vor dem Parlament

Fotos: Bettina Frenzel



Plattform-Sprecherin Petra Unger


Luftballons: „Mädchen steigen auf“ – Verein Sprungbrett


Geht’s den Frauen gut, geht’s uns allen gut!


Düsterer Himmel, bunte Demonstration

Restliche Fotos: Privat

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Verlosung

Aufgepasst! Spontan-Gewinnspiel! Die Denkwerkstatt verlost eine Karte für die femous night am Samstag in der Wiener Ottakringer Brauerei (mit Peaches! u.a.). Start: 18 Uhr. Mitspielen könnt ihr diesmal auf Twitter: Link

Viel Glück!

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20000frauen – Endspurt zur Demo

Bei einer Pressekonferenz im Café Griensteidl hat die Plattform 20000frauen heute erneut zur großen Demonstration für Frauenrechte am kommenden Samstag aufgerufen. Mit dabei waren auch Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek und Frauenstadträtin Sandra Frauenberger, die die Demo als „kräftiges Lebenszeichen“ der Frauenbewegung verstehen.

Die Demonstration startet am Samstag, den 19. März um 14 Uhr, Treffpunkt ist der Schwarzenbergplatz. Die Abschlusskundgebung wird um 16 Uhr vor dem Parlament stattfinden. Zahlreiche Rednerinnen verschiedener Frauenorganisationen werden auf der Demo sprechen, außerdem werden Musikerinnen der femous-Plattform auftreten (Mieze Medusa, femous Orchestra, uvw.). Die Grünen, die SPÖ-Frauen, Hebammen und andere Gruppierungen treffen sich vorab und marschieren zu Demo, weitere Infos findet ihr hier. Mit dem ÖBB-Eventticket erhalten Frauen und Männer eine Ermäßigung auf ein Ticket nach Wien und retour. Die ÖH Graz hat einen Bus nach Wien organsiert, ebenso gibt es Busse aus Kärnten und Tirol: Link.

Wer noch in seinem Bekanntenkreis oder auch im größeren Rahmen mobilisieren möchte, kann sich im Kosmostheater im 7. Bezirk zwischen 11 und 15 Uhr Flyer und Sticker abholen.

Also los, auf die Straße! Damit es auch wirklich ein starkes Zeichen wird, ist jede Frau und jeder solidarische Mann gefragt. 20.000 Menschen müssen es werden!

v.l.n.r.: Gabriele Vana-Kowarzik, Silvia Jura, Amina Baghajati, Gabriele Heinisch-Hosek, Petra Unger, Ulli Weish, Sandra Frauenberger, Judith Götz, Doris Einwallner


Fotos: Bettina Frenzel

Link zur Website

Flashmob vor dem Parlament – Video

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20000frauen: Aktionismus vor dem Parlament

Die Plattform 20000frauen probte heute vor dem Parlament den Aufstand: Rund 30 Frauen entrollten  ein 50 Meter langes Banner, auf dem ein Auruf zur großen Demonstration am 19. März zu lesen war:


Sprecherin Petra Unger im historischen Kostüm: Die selben Forderungen wie vor 100 Jahren


19. März: Treffpunkt 14 Uhr, Schwarzenbergplatz


Johanna-Dohnal- statt Dr.-Karl-Lueger-Ring!

Alle Fotos: (c) Bettina Frenzel

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Wien-Wahl: Die Ergebnisse

Wahl-Tage sind in Österreich äußerst selten ein Grund zum Feiern. Hier die Ergebnisse der gestrigen Landtagswahl im Überblick:

SPÖ: 44,29 Prozent (-4,8)
ÖVP: 13,25 Prozent (-5,5)
FPÖ: 26,98 Prozent (+12,2)
Grüne: 12,21 Prozent (-2,4)
BZÖ: 1,35 Prozent (+0,2)
KPÖ: 1,14 Prozent (-0,3)

Die Wiener Wählerinnen und Wähler haben also auch in gewisser Weise Frauenpolitik eine Absage erteilt. Ebenso Politik, die Xenophobie bekämpfen und nicht benutzen möchte. Hoffnung besteht dennoch: Bei Frauen unter 30 liegt die FPÖ nur auf Platz drei, stattdessen haben Frauen ingesamt öfter für SPÖ und Grüne gestimmt. Analysen zur Wahl findet ihr auf diesen Blogs:

ZurPolitik

Martin Schimak

Querschrift

Thinkoutsideyourbox

Robert Misik

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Wien-Wahl: SPÖ und Grüne

Die Wiener SPÖ hat bei der Gemeinderatswahl 2005 49 Prozent der Stimmen erreicht und bangt diesmal um die Absolute. Spitzenkandidat ist Bürgermeister Michael Häupl, unter den ersten zehn Kandidatinnen und Kandidaten auf der Liste finden sich fünf Frauen.

Auf der Website der Wiener SPÖ steht ein umfangreiches Programm für die Wahl zum Download, ebenso eine Kurzversion und ein eigenständiges Programm der Wiener SPÖ Frauen. Frauen- bzw. Geschlechterpolitik ist in allen drei Varianten enthalten, besonderen Wert wird dabei auf den Arbeitsmarkt und die unsägliche Einkommensschere gelegt – hier identifiziert die SPÖ (als regierende Partei) jedoch eine Wiener Erfolgsgeschichte: „Wien hat die höchste Erwerbsquote aller Bundesländer von Frauen und die geringsten Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen.“

Unter „Wien ist die Stadt der Frauen“ ist weiters zu lesen: „Wien ist in Österreich führend, wenn es um Gleichbehandlung, Gleichberechtigung und Sicherheit von Frauen geht. Nirgendwo sonst in Österreich sind die Bildungs- und Berufschancen, die Chancen zur Selbstverwirklichung für Mädchen und Frauen größer als in Wien.“ Im selben Parteiprogramm sieht die SPÖ jedoch auch Handlungsbedarf: „Jede Frau und jedes Mädchen soll in Wien sicher, selbstbestimmt und unabhängig leben können. (…) Wir wollen, dass Frauen und Mädchen ihre Rolle selbst bestimmen können. Dass sie frei von Gewalt leben können. Dass Halbe/Halbe wirklich gelebt wird. Und dass Frauen in Arbeit und Wirtschaft gleiche Chancen und gleiches Einkommen wie Männer haben.“

Konkrete Pläne (die sowohl im allgemeinen, als auch im Programm der Frauen zu finden sind) umfassen unter anderem  den Ausbau von Kinderbetreuungseinrichtungen, Frauenföderung in Unternehmen, den Ausbau von Gewaltschutzmaßnahmen und die Förderung von gendersensibler Pädagogik.

Fazit: Frauenpolitik hat innerhalb der SPÖ traditionell ihren Platz, ebenso in der Wiener SPÖ. Die Partei schreibt sich eine lange Liste von entsprechenden Erfolgen auf ihre Fahnen und hat in den vergangen Jahren tatsächlich einige ambitionierte Projekte umgesetzt. Ebenso sind auf den Landes- und Bezirkslisten mehr als 50 Prozent Frauen vertreten, sämtliche Informationsmaterialien sind in geschlechtersensibler Sprache verfasst. Was (zumindest auf der Website) fehlt, sind ebenso ambitionierte Pläne im Bereich der Gleichstellung von Schwulen und Lesben. Link zur Website

Die Grünen haben bei der Wahl 2005 rund 14,6 Prozent der Stimmen erreicht – damit lag die Partei knapp hinter der FPÖ. Nach der Wahl am kommenden Sonntag würden sich die Grünen gerne als dritt- (bzw. zweit-)stärkste Kraft wiederfinden, interne Streitigkeiten oder ein enormer Stimmen-Zugewinn der FPÖ könnten dem im Wege stehen. An der Spitze steht diesmal eine Frau: Maria Vassilakou; auf der Liste mit 20 Kandidatinnen und Kandidaten finden sich 11 Frauen.

Ebenso wie bei der SPÖ steht auf der Website der Grünen ein allgemeines Wahlprogramm und ein Frauenprogramm zum Download bereit. „Feministische, emanzipatorische Politik muss die notwendigen ökonomischen, rechtlichen, gesellschaftlichen und politischen Bedingungen schaff en, damit sich Mädchen und Frauen nach ihre Bedürfnissen, Wünschen und Zielen entwickeln können. Gleich welcher ethnischen Herkunft , sexuellen Orientierung und/oder aus welcher sozialen Schicht, haben Mädchen und Frauen, ebenso wie auch Burschen und Männer, im Grünen Wien alle die gleichen Möglichkeiten der Teilhabe am politischen und gesellschaft lichen Leben“, ist unter dem Titel „Feministische Politik“ zu lesen.

Die Grünen haben als einzige Partei offensichtlich keine Angst davor, die Wörter „Feminismus“ bzw. „feministisch“ in ihr Wahlprogramm einzubauen, ebenso legen die Grünen die umfangreichsten frauen- und queerpolitischen Forderungen vor (diese können hier nachgelesen werden). Die Schwerpunkte liegen dabei auf dem Arbeitsmarkt, Frauenarmut, Bildung, Migrantinnen und Mädchenförderung. Um eine Gleichstellung von Männern und Frauen zu erreichen, setzen die Grünen auch auf die in Österreich noch unpopuläre Väterkarenz: „In der Gemeinde Wien wird Väterkarenz zur Pflicht und werden Betriebskindergärten zur Normalität.“

Auch Transgender Personen adressieren die Grünen als einzige Partei. Ein Eherecht für Lesben und Schwule wird ebenso wie die Finanzierung von Projekten zur Bekämpfung von Homophobie gefordert. „Vielfalt ist die Stärke einer offenen Gesellschaft. Das Grüne Wien ist eine Stadt, in der frei entschieden werden kann, wer wen liebt bzw. wer mit wem zusammenleben möchte“, ist hier zu lesen.

Fazit: Die Wiener Grünen berücksichtigen Frauen- und Geschlechterpolitik sehr umfangreich in ihrem Wahlprogramm. Ebenso wird an die Verschränkung von Geschlecht, Ethnizität und Sexualität gedacht. Auch wenn einige Forderungen wenig konkret bleiben, sind die Grünen die mit Abstand ambitionierteste Partei, was Frauenpolitik betrifft. Fazit: Platz 1 für die Grünen.

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Wien-Wahl: ÖVP und FPÖ

Die Wiener ÖVP hat bei der Wahl 2005 rund 18,8 Prozent der Stimmen erreicht und tritt diesmal mit Spitzenkandidatin Christine Marek an. Den besten Platz auf der Landesliste hat somit eine Frau inne, unter den ersten zehn Kandidatinnen und Kandidaten finden sich fünf Frauen (Platz 1, 5, 7, 8 und 10). Ziel der ÖVP ist es, die Absolute der SPÖ zu brechen, Marek sieht sich selbst als zukünftige Vizebürgermeisterin.

Die Analyse des Parteiprogramms der Wiener ÖVP gestaltet sich schwierig: Zwar steht ein umfangreiches (und geschlechtersensibel formuliertes) Programm für die Wien-Wahl auf der Website zum Download bereit, allerdings wird Frauen- oder Geschlechterpolitik nicht wirklich berücksichtigt. Die Forderung nach ganztägigen Schulangeboten wird folgendermaßen begründet: „Die Lebensrealitäten der Eltern sind heutzutage ganz andere als noch vor 20 Jahren. Immer mehr Frauen sind berufstätig, immer mehr Frauen haben hohe Bildungsabschlüsse, die sie auch im Beruf einbringen möchten. 68 Prozent der Frauen in Wien gehen einer außerhäuslichen Arbeit nach.“

Als konkrete Forderung findet sich: „Mehr Sicherheit für Frauen“ im Programm. „Viele Frauen in Wien fühlen sich unsicher, wenn sie in der Dunkelheit alleine auf der Straße unterwegs sind. Deshalb ist es wichtig, für eine noch bessere Ausleuchtung von Parks und Straßenzügen zu sorgen. Zusätzlich muss die frauenspezifische Beratung der Polizei ausgeweitet werden. Und wir wollen ein eigenes Frauen­Nachttaxi für Wien“, ist hier zu lesen.

Im Chat mit Standard.at antwortet Christine Marek auf die Frage, wie sie zu Schwangerschaftsabbruch und Homo-Ehe stehe, folgendermaßen: „Ich habe mich immer massiv für die eingetragene Partnerschaft eingesetzt, auch zu einer Zeit wo dies in der ÖVP noch denkunmöglich war. Das jetzige Gesetz ist dabei ein wichtiger und grosser Schritt in die richtige Richtung. Zum Schwangerschaftsabbruch: ich bekenne mich absolut zur Fristenregelung, bin aber der Überzeugung, dass wir bei der Beratung von Schwangeren – ergebnisoffen!!! – noch viel mehr tun müssen. Ich finde es ehrlich gesagt unerträglich, dass es im Verzeichnis der Stadt Wien ‚Schwangerschaftsberatung‘ nicht (!!) gibt, sehr wohl aber ‚Schwangerschaftsabbruch‘.“

Nachdem ein User nachfragt, warum sie zwar eine eingetragene Partnerschaft, nicht jedoch ein Adoptionsrecht für Homosexuelle unterstützt, kontert Marek: „Es geht nicht darum hier zu werten wer bessere oder schlechtere Eltern sind. Ich muss aber zur Kenntnis nehmen, dass es dzt. keine Mehrheit für weitreichendere Schritte als im Partnerschaftsgesetz vorgesehen gibt.“

Fazit: Nachdem Frauen- bzw. Geschlechterpolitik im Parteiprogramm der Wiener ÖVP kaum vorkommt, kann angenommen werden, dass es sich bei diesen Themen um keine zentralen Anliegen der Partei handelt. Christine Marek definiert sich selbst als „liberal denkenden“ Menschen, eine Befürwortung der Fristenregelung und der eingetragenen Partnerschaft dürfte aber mittlerweile auch innerhalb der Volkspartei auf breite Zustimmung stoßen. Im allgemeinen Parteiprogramm der ÖVP wird die Förderung von Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen in Bildung, Arbeitswelt und bei der Verteilung unbezahlter Tätigkeiten als erstrebenswertes Ziel erwähnt. Link zur Website

Die FPÖ hat 2005 14,8 Prozent der Stimmen erreicht, bei der kommenden Wahl ist ein deutlicher Zugewinn sehr wahrscheinlich. Spitzenkandidat ist FPÖ-Frontmann Heinz-Christian Strache, der gerne als Bürgermeister ins Rathaus einziehen würde. Unter den ersten neun Kandidatinnen und Kandidaten finden sich drei Frauen auf der Landesliste.

Frauenpolitik ist traditionell keine zentrale Kompetenz der FPÖ, mitunter, da eine größere Anzahl von Männern der Partei bei verschiedenen Wahlen ihre Stimme geben. Das Parteiprogramm für Wien ist kurz und bündig gehalten, Frauen- oder Geschlechterpolitik ist darin nicht enthalten. Auf geschlechtersensible Formulierungen wurde gänzlich verzichtet.

Im aktuellen Wahlkampf plakatierte die FPÖ den Slogan: „Wir schützen freie Frauen. Die SPÖ den Kopftuchzwang“. Dabei handelt es sich jedoch kaum um ein frauenpolitisches, sondern islamophobes bzw. xenophobes Statement.

Im allgemeinen Parteiprogramm der FPÖ ist zu lesen: „Die Familie beruht auf einer Lebensgemeinschaft von Mann und Frau, deren besondere gesellschaftliche Anerkennung durch das Institut der Ehe ausgedrückt wird. Die Familie ist eine natürliche Lebensgemeinschaft mit Kindern, wobei die Lebensgemeinschaft eines alleinerziehenden Elternteiles mit Kind ebenfalls als Familie anzusehen ist. Bestrebungen, gleichgeschlechtliche Partnerschaften Familien gleichzustellen, werden abgelehnt.“

Ebenso findet sich folgender Absatz: „Chancengerechtigkeit heißt auch gleiche Einstufungs- und Aufstiegsmöglichkeiten bei gleicher Qualifikation für Frauen im Berufsleben sowie Beseitigung der Lohnunterschiede von Frauen und Männern bei gleichwertiger Arbeit.“

Fazit: Frauen- bzw. Geschlechterpolitik kommt im Programm der Wiener FPÖ nicht vor. Grundsätzliche Bekenntnisse zur Gleichberechtigung in der Arbeitswelt sind vorhanden, insgesamt werden sehr konservative Ansichten vertreten. Im Wahlkampf werden immer wieder Kopftuch tragende Frauen als Symbol für Unterdrückung und einer negativ besetzten Zuwanderung im allgemeinen missbraucht. Link zur Website

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Eingeordnet unter Ethnizität, Frauenrechte, Gesellschaft, Politik, Sexualitäten