Archiv der Kategorie: Technik

Donna Haraway

Wer an der European Graduate School, einer Schweizer Privatuniversität studiert, kann sich glücklich schätzen. Regelmäßig gehen dort die internationalen „Stars“ der Sozial- und Geisteswissenschaften (Butler, Haraway, Virilio, Zizek…) ein und aus und diskutieren mit den Studierenden über ihre Arbeit. Für alle, die nicht dem elitären Zirkel angehören, gibt es zum Glück Videoaufzeichnungen der verschiedenen Vorträge. Hier ein Vortrag von Donna Haraway, der Autorin des berühmten „Cyborg Manifesto“ – schnelle akademische Bildung für zwischendurch:

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In den Medien

Auch diestandard.at hat sich bereits dem Jubliäum 100 Jahre Frauentag angenommen und zwei spannende Interviews veröffentlicht. Redakteurin Beate Hausbichler hat mit Petra Unger von der Plattform „20.000 Frauen“ über die Vorbereitungen zur Demonstration am 19. März gesprochen, Heidi Niederkofler (Historikerin) hat sie zu den historischen Hintergründen des Internationalen Frauentags befragt.

Am gestrigen Kulturmontag im ORF wurden zwei feminstische Themen aufgegriffen: Fembots / Cyborgs in der Popmusik, sowie die Auszeichnung der Performance-Künstlerin Katrina Daschner. Nachzusehen (bis kommenden Montag)  in der TVthek.

Eine neue Online-Plattform informiert zur Eingetragenen Partnerschaft in Österreich: „Wie wird eine EP geschlossen? Wer ist in der Behörde dafür zuständig und wo kann man feierlich heiraten? Welche Rechtsfolgen sind mit einer EP verbunden?“ – Antworten auf diese Fragen findet ihr hier.  (via Marco Schreuder)

Werde Macho!“ fordert die Schweizer „Männerzeitung“ ihre Leser auf. Denn: „Männer schuften für Sex, sie krampfen für die Liebe, leiden, damit es andere besser haben“, ist da zu lesen. Welche Idee hinter dieser Publikation steckt, könnt ihr im Tagesanzeiger-Interview mit Chefredakteur Ivo Knill nachlesen. (via Väterblog)

Jetzt in den deutschsprachigen Kinos: „We Want Sex“:

Ein Kommentar

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In den Medien

Zur Obsorge-Debatte: In Deutschland wird ein neues Gesetz vorbereitet, unverheiratete Väter werden nun gleichgestellt, indem die automatische Bevorzugung unverheirateter Mütter fällt. Väter können nun ohne Zustimmung der Mutter eine gemeinsame Obsorge beantragen. Kommentare zur angeblichen „Willkür der Mutter“ und biologischen Definitionen von Vaterschaft gibt es auf der Mädchenmannschaft und bei Antje Schrupp.

Die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts hat auch in Österreich für Schlagzeilen gesorgt. Während Justizministerin Bandion-Ortner hierzulande eine ähnliche Regelung erwirken möchte, spricht sich Frauenministerin Heinisch-Hosek nach wie vor gegen eine gemeinsame Obsorge aus.

Gute Nachrichten aus Kalifornien: Das Verbot der Ehe für homosexuelle Menschen ist aufgehoben worden, Bundesrichter Walker erklärte es für diskriminierend und damit verfassungswidrig. Eine wie immer brilliante Auseinandersetzung mit den entsetzten Reaktionen der Konservativen gibt es bei Stephen Colbert.

Die Netzneutralität ist in Gefahr: Nachdem Details über Kooperationen zwischen Google und Verizon bekannt wurden, wird nun eine von bestimmten Anbietern finanzierte bevorzugte Datenübertragung befürchtet. „Im Kern geht es aber darum, dass Google seine Daten schneller zu den Kunden bringen will und bereit ist, dafür zu bezahlen. Das allerdings bedroht die Netzneutralität, die neben der Dezentralisierung eines der beiden Basisprinzipien der Internets ist“, so Zeit Online. Eine Petition für die Netzneutralität kann bereits online unterzeichnet werden: Link , auf der Mädchenmannschaft gibt es einen Kommentar zu Netzpolitik im feministischen Kontext.

Die überflüssigste wissenschaftliche Studie der Woche ist auf ORF Science zu finden: „Männer in Rot ziehen Frauen stärker an.“
Der doofste Werbespot kommt diesmal von „Kornland“:

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Die Prinzessin als Maschinentechnikerin

„Wer erfindet die solarbetriebene Kutsche? Die Prinzessin selbst! Denn Naturwissenschaften und Technik sind nicht länger Erpacht der Prinzen.“ Mit diesem Text wirbt das Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung in der aktuellen Ausgabe des Stadtmagazins „Biber“ für die verschiedenen „Frauen in die Technik“-Programme. Mit unzähligen Programmen und Veranstaltungen wird in Österreich seit Jahren versucht, junge Frauen für einen technischen Beruf, eine HTL-Matura oder ein technisches Studium zu begeistern.

Der Hintergrund: 70 Prozent der österreichischen Mädchen wählen aus zehn (schlecht bezahlten) Lehrberufen (die Top 3: Einzelhandelskauffrau, Bürokauffrau, Friseurin) und auch an den Technischen Unversitäten studieren nur rund 20 Prozent Frauen. Der Großteil der Frauen ist dabei in Fächern wie Architektur zu finden – Maschinenbau und Elektrotechnik sind nach wie vor reine Männerdomänen. „Ingenieurinnen kommen bei uns aus Spanien, aus Finnland oder aus Osteuropa – aber nicht aus Österreich“, erzählte mir der Personalchef der AVL List in Graz in einem Interview.

Welche Ursachen gibt es für diese österreichische Schieflage? „Das liegt an den unterschiedlichen Gehirnen von Männern und Frauen“, würden Biologist_innen wohl antworten. Und dann wäre da noch die Erziehung, das Schulsystem und die Stereotype in den Köpfen der Menschen. Klar ist: Die verschiedenen Zuordnungen finden schon im Kleinkind-Alter statt. Während Mädchen Puppen vorgesetzt bekommen und sich im Prinzessin-Sein üben dürfen, konstruieren Jungen mit Bausteinen ihre erste Maschine.

Dass diese Mädchen dann auf ihrer Prinzessinnen-Ebene abgeholt werden müssen, so stellen sich das verschiedene Initiativen zu Frauen und Technik dann offensichtlich vor. „HighHeels @ HighEnd“ nennt sich ein Kreativbewerb der „TechWomen“, der nach weiblichen Vorbildern in der Technik fragte. Eingesandt wurden unter anderem Fotos von Frauen im Abendkleid mit Schraubenschüssel in der Hand, daneben ein halbnacktes Model – ausschließlich mit Kabeln bekleidet.


Foto: techwomen.at

Auch beim einen oder anderen „Tag der offenen Tür“ in einer österreichischen HTL wird für mehr weibliche Beteiligung geworben. In der HTL St.Pölten gab es so unlängst einen eigenen Stand, an dem HTL-Schülerinnen junge Besucherinnen aus der Hauptschule von ihrer Schul-Wahl überzeugen sollten. Während die Burschen durch Werkstätten führten und die hauseigene Ingenieurskunst präsentierten, konnte am Mädchen-Stand mit bereit gestelltem Werkzeug ein Anhänger für eine Halskette bearbeitet werden.

Die verschiedenen Initiativen haben eines gemeinsam: Sie sind bisher in Österreich wenig erfolgreich geblieben. Der Frauen-Anteil an technischen Schulen und Unversitäten erhöht sich nur sehr langsam und in geringem Ausmaß. „Ein Grund, warum (…) Programme zur Förderung von Frauen in der Technik wirkungslos geblieben sind ist, dass sich Frauen aktiv dagegen wehren, in technische Gebiete einzutreten und zwar deshalb, weil dies Implikationen für ihre weibliche Geschlechtsidentität hat. In der Ablehnung von Naturwissenschaft und Technik erzeugen Frauen ihre Feminität. Der Widerwille hängt mit der Definition von Technik als Männersache zusammen. Frauen, die in diese Welt eintreten, müssen sich in ihrer Weiblichkeit als bedroht ansehen“, schreibt die Technik-Wissenschafterin Brigitte Ratzer dazu in einem ORF-Science-Artikel.

Wenn also der Zugang zur Technik unter anderem von der Vergeschlechtlichung von Technik blockiert wird, warum bedienen sich „Frauen in die Technik“-Programme dann dieser vergeschlechtlichten Bilder und Metaphern? Sollte es nicht Ziel sein, einer Vergeschlechtlichung von Technik entgegen zu arbeiten? Vielleicht würde sich der Grundgedanke „Jede und jeder, der/die ein Mindestmaß an Begabung und Interesse für Technik mitbringt, kann auch einen solchen Beruf erlernen oder ein technisches Studium absolvieren“ besser eignen als Bilder von High Heels tragenden Frauen in Werkstätten. Auch sollen nicht wahllos Frauen für technische Berufe gewonnen werden, sondern es gilt, mathematisch-technisch interessierten und begabten Frauen den Weg in eine Männerdomäne zu ebnen.

Abgesehen davon, dass in der Hauptschule oder nach der Matura oft schon längst zu spät ist, wäre es vielleicht hilfreich, wenn auch das Personal an  Technische Universitäten versuchen würde, Maschinenbau oder Elektrotechnik nicht geschlechtlich zu markieren, sondern interessierten jungen Menschen näher zu bringen. Es braucht nicht (ausschließlich) Männer, die einen Rennwagen für die „Formula Student“ bauen und Frauen, die Glitzer-Mobiltelefonie entwerfen, sondern Techniker_innen, die die Forschung und Entwicklung vorantreiben. Technik hat kein Geschlecht – die Vergeschlechtlichung entsteht in historischen und diskursiven Prozessen, die es zu dekonstruieren gilt. Auch von Frauen in der Technik.

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Werbung: „Best“ of 2009

Der 31. Dezember 2009 naht – Zeit für  Jahresrückblicke. Diesmal: Werbung. Werbungen aller Art sind eine schier unerschöpfliche Quelle für (nicht ganz so kreativ) inszenierte Geschlechterstereotype, Sexismen und normatives Zelebrieren von Heterosexualität. Auch im Jahr 2009 haben wieder einige Unternehmen gezeigt, wie das richtig gemacht wird:

Technik an potentielle Kundinnen zu verkaufen, das trauen sich nach wie vor einige Konzerne nicht zu. Warum sollte eine Frau schon einen LCD-Fernseher kaufen? Samsung hat die Lösung: „Edles Design für SIE, Technik für ihren Mann“, so bewirbt das Unternehmen eines ihrer Modelle. (Fernseher werden wohl offensichtlich auch nur von Paaren gekauft….)

(www.samsung.com)

Beim Thema „Frauen und Technik“ hat auch Dell 2009 einen beachtlichen Treffer gelandet. Ihre Notebooks, dezent in rosa und lila gehalten, wollte der Konzern mit solchen Mitteln an Frauen verkaufen (die Kampagne wurde mittlerweile geändert):

„Seven Unexpected Ways a Netbook Can Change Your Life
2. Get healthier: Track your exercise and food intake at free online sites like Fitday. Use your mini to track calories, carbs and protein with ease, watch online fitness videos, map your running routes and more.
3. Eat better: Find recipes online, store and organize them, and watch cooking videos.“ (www.dell.com)

Aber nicht nur Elektronik-Konzerne, auch die Kosmetikindustrie vergeschlechtlicht ihre Werbung immer wieder gerne auf interessante Art. So auch bei BIPA, der österreichischen REWE-Handelskette, die zuletzt während der Fußball-EM 2008 mit ihrem „EM-Anti-Missverständnis-Set“ auf sich aufmerksam machte. „Wie lange rasieren sich Frauen in einer Beziehung die Beine? Kommt auf die Geschenke an.“ Mit diesem Slogan sollte in diesem Jahr das Weihnachtsgeschäft angekurbelt werden.  BIPA weiß schließlich, was Frauen (Männer) wollen. (Foto: http://www.bipa.at)

Mit der heterosexuellen Paarbeziehung und ihren Mythen wollte auch Bruno Banani ins Weihnachtsgeschäft einsteigen. Auf http://www.maenner-baeckerei.de kann frau „die Realität vergessen“ (den wenig muskulösen Freund, der nie mehr Blumen mitbringt…) und sich den eigenen Traummann backen. Der kann dann „böser Junge“, „Macho“ oder „Romantiker“ sein. Interessant auch die „Eigenschaften“, die da zur Auswahl stehen. „Fährt ein teures Auto“ und „Im Restaurant zahlt immer er“ zum Beispiel. (www.maenner-baeckerei.de)

Das „Glanzstück“ des Jahres 2009 kommt jedoch aus einer ganz anderen Ecke. Bei der vergangenen österreichischen Hochschüler_innenschafts-Wahl kanditierte die „Junge Europäische Studenteninitiative“ und wollte unter anderem gegen das Binnen-I in Diplomarbeiten ankämpfen. „Erreichen wir durch weiblichen Charme nicht mehr, als durch frustriertes Emanzentum ?“ fragte „JES“ und warb dafür mit diesem Sujet (www.jes.or.at):

Wie heißt es so schön? Jeder weitere Kommentar überflüssig.

Link: „Rosa hat einen infantilen Charakter“ – Interview auf sueddeutsche.de

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