Archiv der Kategorie: Gewalt

Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen

Heute (25. November) wird der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen begangen. Die Geschichte dieses Tages könnt ihr u.a. hier nachlesen.

In Wien findet heute traditionell eine Demonstration statt, die um 18 Uhr am Viktor Adler Markt startet:
FrauenLesben Kundgebung: 16 Uhr Viktor Adler Markt, 10. Bezirk, (Musik + heiße Getränke)
ab ca. 18 Uhr Demo (ausschließlich für Frauen)

Einen Veranstaltungskalender für die „16 Tage gegen Gewalt“ in Österreich findet ihr hier. Im Kampagnenzeitraum zwischen dem Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen und dem Internationalen Tag für Menschenrechte finden auf der ganzen Welt Aktionen statt. Die Organisation „Terre des Femmes“ ruft wie jedes Jahr zur Fahnen-Aktion auf und bietet auf der Website ebenfalls einen Veranstaltungskalender für Deutschland und Österreich.

Auf diestandard.at wurde heute ein Interview mit Birgitt Haller zum Thema Verfolgung von sexualisierter Gewalt veröffentlicht. Ebenfalls auf diestandard.at findet ihr Videos der Aktion „Klappe Auf!„, das erste Video zeigt den Alltag im Frauenhaus.

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Frauenmangel

Auf orf.at wurde gestern vor einem „Frauenmangel mit ungeahnten Folgen“ in verschiedenen Ländern Asiens gewarnt. In Indien kommen derzeit 112 Männer auf 100 Frauen, in China ist das Verhältnis 118 zu 100. Grund dafür ist unter anderem die gezielte Abtreibung von weiblichen Föten, die Aktion „50 Million Missing“ in Indien spricht von einem „Female Genocide“ – zum Problem der selektiven Abtreibung kommen grausame Gewalttaten und Ermordungen von Frauen durch Partner oder Familienangehörige hinzu.

Worüber sich Journalist_innen und Bevölkerungswissenschafter_innen nun aber Gedanken machen, sind die Auswirkungen dieses „Frauenmangels“ auf (asiatische) Männer. Die „alarmierende Maskulisierung“ könne nämlich „in den kommenden 50 Jahren einen ähnlich starken Effekt auf die Erde haben wie der Klimawandel.“ Konkret sei das Problem der „Heiratsengpass“, der da auf (junge) Männer zukommt. Die prognostizierten Folgen: Prostitution, Sextourismus, Frauenhandel und sogar kriegerische Auseinandersetzungen.

„Die Politikwissenschaftlerinnen Valerie Hudson und Andrea den Boer gingen in einer umstrittenen These gar so weit zu behaupten, dass asiatische Länder mit Frauenmangel eine Gefahr für den Westen darstellen: Gesellschaften mit starkem Männerüberschuss seien nur durch autoritäre Regimes zu regieren, die häusliche Gewalt eindämmen und sie quasi exportieren – in Kolonien oder einen Krieg.“

Was erzählt uns ein solcher Artikel? Männer (die natürlich allesamt heterosexuell sind) haben ein „natürliches Anrecht“ auf eine Ehefrau. Bekommen sie diese nicht, reagieren sie mit Gewalt und können nur noch von Diktatoren im Zaum gehalten werden. Die Frage nach äußerst problamtischen Formen von Männlichkeit in verschiedenen Gesellschaften wird erst gar nicht gestellt – Männer scheinen „von Natur aus“ so zu sein. Immer wieder werden sie als tickende Zeitbomben präsentiert, die explodieren, wenn die notwendigen Ventile (wie Sex mit Frauen, gut bezahlte Erwerbsarbeit und männliche Autoritäten) fehlen. Frauen spielen in solchen Szenarien die Rolle einer „Ressource“ auf dem Heiratsmarkt, wie der Begriff „Frauenmangel“ es schon anschaulich v0r Augen führt.

Ein solcher Zugang zu Problemstellungen ist nicht nur oberflächlich und biologistisch / essentialistisch, sondern angesichts der Gewalt, die etwa Frauen in Indien erfahren, auch grausam zynisch.

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This Week

Brustkrebs-Vorsorge ist in. Die rosa Schleife ziert diverse Produkte und Veranstaltungen, auf Facebook posten Userinnen die Farbe ihrer Unterwäsche. Ina Freudenschuss hat auf diestandard einen Artikel zu diesem „pink washing“ veröffentlicht: Der Schatten der Rosa Schleife
Lesenswert!

Artikel über die Männertagung in Graz wurden auch in der „Presse“ und in der „Kleinen Zeitung“ veröffentlicht. Vorsicht, die dazugehörigen User-Kommentare lehren das Fürchten!

Tipp: „Meine Seele hat kein Geschlecht“ – ein sehr sehenswerter Film über Transmänner, der auf ARTE gesendet wurde. (via Mädchenmannschaft u.a.)

„Feminist Mum“ Antonia hat auf ihrem Blog über Mutterschutzbestimmungen nachgedacht: Link

Einen Bericht über den Vienna Slutwalk findet ihr auf FM4.at.

Zur problematische Berichterstattung rund um die Ermordung von Frauen durch ihre Partner habe ich erst kürzlich einen Blogeintrag verfasst. Auch diese Woche bestätigt sich meine These wieder: „Tödlicher Beziehungsstreit“ vs. „Mann erstochen

Der neueste Beitrag von Feminist Frequency widmet sich diesmal der Darstellung von Feministinnen – wie immer sehenswert!

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Scheidungsdrama und Beziehungsstreit

„Zwei Tote nach Scheidungsstreit in Österreich“ – diese Schlagzeile ist mir heute auf orf.at begegnet. Und was ist da eigentlich wirklich passiert? Ein 52-jähriger Mann hat seine Ehefrau ermordet, weil diese die Scheidung einreichen wollte; nach der Tat hat er sich erhängt.

Was erzählt uns die Schlagzeile aber? Zwei Menschen sind in einen Streit geraten, beide haben diesen Streit nicht überlebt. Solche Formulierungen, die in den Medien häufig zu finden sind, wenn Männer ihre Frauen ermorden oder verletzen, verschleiern den eigentlichen Gewaltakt und den Täter.

„In Haringsee (Bezirk Gänserndorf) hat ein Scheidungsstreit mit Mord und Selbstmord geendet“, lautet der nächste Satz der Meldung. Was in dieser Formulierung mitschwingt, ist eine Mitverantwortung der ermordeten Frau: Die beiden sind in einen Streit geraten (woran möglicherweise sie Schuld trug, schließlich wollte sie die Scheidung einreichen), das (unausweichliche) Ende war eine Gewalttat.

Tatsache ist: Was auch immer zuvor passiert ist, nichts rechtfertigt ein Gewaltverbrechen.

Gewalt gegen Frauen, die aufgrund des Machtgefälles zwischen Männern und Frauen System hat, wird mit Bezeichnungen wie „Ehedrama“, „Scheidungsdrama“ oder „Beziehungsstreit“ zusätzlich verharmlost und auf eine private, individuelle Ebene transformiert. Erst kürzlich zeigte ein UNO-Bericht, dass Männer stärker von Gewalt im öffentlichen Raum, Frauen von Gewalt in der Familie betroffen sind: „‚Die überwiegende Mehrheit der Opfer von Gewalt in der Familie oder durch einen Partner waren Frauen‘, berichtete die UNO. In Europa waren fast 80 Prozent aller Menschen, die von einem aktuellen oder ehemaligen Partner umgebracht wurden, Frauen.“ (diestandard.at)

Die interessanteren Aspekte nach solch tragischen Ereignissen sollten in den Chronik-Berichten also vielmehr die Frage nach Gewaltschutz und patriarchalem Machtgefälle sein und nicht, wie das Haus der Familie ausgesehen hat oder wie sich die Tochter gefühlt hat, nachdem sie die Leiche der Mutter gefunden hat.

Wer von häuslicher Gewalt betroffen ist oder glaubt, diese in seinem/ihrem Umfeld beobachtet zu haben, kann sich übrigens anonym und rund um die Uhr an die kostenlose Frauenhelpline wenden.

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Verlinkt

Am vergangenen Samstag fanden in verschiedenen deutschen Städten Slutwalks statt. Die Mädchenmannschaft berichtet von den Ereignissen in Berlin, der Mädchenblog von Gaffern und auf diestandard.at könnt ihr euch Bilder von der Veranstaltung ansehen. Ob wohl auch bald in Wien ein Slutwalk stattfinden wird…?

In Österreich steht uns eine neue Debatte um Abtreibung (bzw. die „Fristenlösung“) bevor. Der Grund: Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) hat im Zuge der Spitalsreform die Krankenhäuser in Westösterreich dazu aufgefordert, Abtreibungen anzubieten und so die Situation für Frauen in Tirol und Vorarlberg zu verbessern.

Die offenen Briefe von Alice Schwarzer waren mir schon immer suspekt. So auch jener an Charlotte Roche. Obwohl ich nachvollziehen kann, dass Schwarzer das neue Werk „Schoßgebete“ verärgert hat, finde ich den untergriffigen Ton wirklich furchtbar. „Denn du hast nicht die Lösung, du hast das Problem.“ Nachzulesen auf emma.de.

Neues aus der Blogosphäre: Eine ehemalige Studienkollegin von mir bloggt auf ullikoch.wordpress.com – schaut mal vorbei!

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Eingeordnet unter Abtreibung, Gesellschaft, Gewalt, Medien, Persönlichkeiten, Sexualitäten

Wieder hier

Nach einer kleinen „Sommer“pause bin ich nun wieder online und werde euch erneut regelmäßig mit feministischen Inhalten versorgen. In meiner Abwesenheit ist allerdings (wie ihr wisst) so unglaublich viel passiert, dass ich die Nachrichtenlage noch immer nicht aufgearbeitet habe. Hier erst einmal ein paar interessante Hinweise:

Am kommenden Samstag ziehen die Aktivistinnen der Plattform 20000frauen wieder mit ihrem Schlauchboot los, um bei der Aktion „Das Boot ist leer“ auf die Situation von Asylwerber_innen in Österreich (und Europa) aufmerksam zu machen. Diesmal am Wiener Yppenmarkt – um 10 Uhr geht es los. Ich war auch schon dabei und kann euch nur empfehlen, euch bei Gelegenheit selbst auf die Straße zu begeben: Dort lernt mensch wirklich viel über die österreichische Gesellschaft. Und ab und zu doch jemanden zum Nachdenken anregen zu können – das tut gut.

Das Profil erklärt uns wieder einmal, warum Frauen schlecht einparken, Männer schlecht zuhören und nur Feminist_innen ideologisch sind. Nachzulesen unter dem Titel Hirnwindungen.

Am 13. August werden in mehreren deutschen Städten „Slutwalks“ stattfinden. Auf der Mädchenmannschaft findet ihr alle Infos dazu in einem eigenen Dossier.

Ebenfalls auf der Mädchenmannschaft findet ihr Neuigkeiten aus Ägypten: Frauenorganisationen wehren sich dort gegen diskriminierende und entwürdigende Praktiken.

Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek will das Familienrecht reformieren und eine „Ehe light“ in Form eines neuen Partnerschaftsvertrags einführen. Gut so, meint Ina Freudenschuss.

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Österreichische Männertagung in Graz

Unter dem Titel „Diversität von Männlichkeiten“ findet im Oktober 2011 an der FH Joanneum in Graz die Österreichische Männertagung statt, am 20. Oktober wird die bekannte Männlichkeitsforscherin Raewyn Connell sprechen. Veranstalter ist die Männerberatung Graz, die die Tagung zusammen mit dem Studiengang Soziale Arbeit an der FH Joanneum konzipiert hat.

„Die österreichische Männertagung 2011 möchte eine Perspektive eröffnen, die die komplexen Relationen zwischen Frauen und Männern sowie zwischen verschiedenen Männlichkeiten wahrnimmt und in ihren Verschränkungen mit anderen sozialen Faktoren wie soziale Lage und Migration untersucht. Daraus sollen zukunftsorientierte Politiken für die Männerarbeit entwickelt werden.“

20. und 21. Oktober in Graz
Detailliertes Programm unter: Link
Anmeldung unter: Link (Der Tagungspass für Studierende kostet 80 Euro)

Am 13. Oktober wird Raewyn Connell wird außerdem einen Vortrag an der Universität Wien halten, Infos gibt es hier.

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